20.11.10 | Neuer Berliner Rat - Menschen mit Behinderung wählten ihre Sprecher

Der neue Berliner Rat: (hintere Reihe v. li.) Michael Matthes Szücks, Jens Bode, Mario Herschel, Andreas Lißy, Ellen Flohr, Alfredo Rosenbaum; (vordere Reihe v.li.) Katja Bode und Jutta Klutz; Weiterhin gewählt wurde Manfred Beslé, der leider nicht anwesend sein konnte.

Das Projekt wurde gefördert von Aktion Mensch.

 

Dass Selbstvertretung und Mitbestimmung von Menschen mit Behinderung in der Lebenshilfe Berlin großgeschrieben wird, zeigte die Wahl des Berliner Rats am 20. November im Rathaus Schöneberg. Erstmals wurde das seit 2001 bestehende Gremium demokratisch gewählt, das heißt alle Bewohner aus Lebenshilfe-Einrichtungen und behinderte Mitglieder des Landesverbandes Berlin – insgesamt etwa 1.500 Personen – konnten ihre Stimmen abgeben.

In ihrer Begrüßungsrede hob die Schirmherrin Dr. Sibyll Klotz, Bezirksstadträtin für Gesundheit und Soziales in Tempelhof-Schöneberg, die besondere Bedeutung des Selbstvertretungsorgans hervor: „ Wir möchten, dass Menschen mit Behinderung überall mitreden und mitbestimmen können. Deshalb ist der Berliner Rat eine wichtige Einrichtung, und es wäre schön, wenn es überall noch viele solcher Räte geben würde.“

Gleich darauf folgte eine kurze Vorstellungsrunde der Kandidaten und alle, die sich noch nicht per Briefwahl entschieden hatten, konnten ihre Stimmen abgeben. Zur Wahl gestellt hatten sich insgesamt 19 Bewohner aus Lebenshilfe-Einrichtungen – und das mit ganz unterschiedlichen Motiven. Jutta Klutz beispielsweise ist es wichtig, dass Menschen mit Behinderung auch im Alter schön wohnen können. Andreas Lißy hingegen möchte vor allem dafür sorgen, dass die Chefs der Lebenshilfe Berlin immer ein offenes Ohr für die Probleme der Bewohner in den Lebenshilfe-Einrichtungen haben. Auch Themen wie Barrierefreiheit in Bussen und Bahnen, Vertrauen zu den Betreuern und ganz generell der Einsatz für mehr Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung in allen Lebensbereichen standen bei den meisten Kandidaten ganz oben auf der Liste.

Mit einer mehr als beachtlichen Wahlbeteiligung von rund 16 Prozent stand am Ende des Abends der neue Berliner Rat fest. Die drei Frauen und sechs Männer, die allesamt die Wahl ohne zu zögern annahmen, werden sich Anfang Dezember erstmals zu einer konstituierenden Sitzung treffen.

Katarina Schneider, die 2. Vorsitzende der Lebenshilfe Berlin, beglückwünschte die Wahlsieger und ergänzte mit Blick auf die kommende Zusammenarbeit: „Sich selbst vertreten heißt, sich für die eigenen Rechte einzusetzen und wenn es sein muss, auch für die eigenen Rechte zu kämpfen. Der Berliner Rat ist Sprachrohr und direkter Draht zum Vorstand, wenn es um den Einsatz für Wünsche, Fragen und Probleme von Menschen mit Behinderung in der Lebenshilfe Berlin geht.“