„Finger weg von den Fördergruppen“ forderte Günter Jahn, der Vorsitzende der Lebenshilfe Berlin, heute Mittag bei einer Kundgebung vor dem Kanzleramt. Die Lebenshilfe Berlin beteiligte sich anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung an der Aktion „Rettungsschirme für alle“. Dazu aufgerufen hatten der Berliner Behindertenverband, der Sozialverband Deutschland, die Initiative „Daheim statt Heim“ und weitere Behindertenverbände. Mehr als 1.000 Demonstranten waren dem Aufruf gefolgt und zogen vom Brandenburger Tor zum Bundeskanzleramt.
Die Lebenshilfe Berlin machte dabei aufmerksam auf die Situation schwerst behinderter Menschen, die keinen Platz in einer Werkstatt für behinderte Menschen finden. Günter Jahn appellierte an die Berliner Politik, das bewährte Modell der Fördergruppen zu erhalten. Zurzeit gibt es in Berlin Überlegungen, Fördergruppen nur noch für die Personen vorzuhalten, die nach fünf Jahren in eine Werkstatt wechseln können. Wer das nicht schafft, soll in einer Einrichtung mit weniger Personal und Förderung betreut werden.
„Die Fördergruppen sind kein Sparmodell. Wer so schwer behindert ist, dass er niemals einen Platz in einer Werkstatt bekommen kann, muss auf Dauer in der Fördergruppe bleiben dürfen!“, forderte Jahn unter anhaltendem Beifall vor dem Kanzleramt.
Die Lebenshilfe Berlin sieht in den Überlegungen einen klaren Verstoß gegen die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Alfredo Rosenbaum und Mario Herschel gelten als geistig behindert und sind Mitglied im Berliner Rat, der Selbstvertretung von Menschen mit Beeinträchtigungen in der Lebenshilfe Berlin. Als Selbstvertreter setzten sie sich gemeinsam mit Günter Jahn ein für Menschen, die in unserer Gesellschaft kaum sichtbar sind und nicht für sich selbst sprechen können: „Die Vereinten Nationen sagen, jeder hat die gleichen Rechte! Auch Menschen mit sehr schweren Beeinträchtigungen haben diese Rechte! Jeder hat das Recht auf Förderung, Beschäftigung und Bildung.“
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