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Medienwelten zwischen Chancen und Risiken – Fachtag der Lebenshilfe zur Internetnutzung

Anja Reiff und Wiebke Matthesius (v.l.) eröffnen den Fachtag im großen Saal der Berliner Stadtmission.
Anja Reiff und Wiebke Matthesius (v.l.) eröffnen den Fachtag im großen Saal der Berliner Stadtmission.

Am 18. November, fand im großen Saal der Berliner Stadtmission in der Lehrter Straße in Mitte ein Fachtag der Sozialpädiatrischen Zentren der Lebenshilfe Berlin statt. Thema der Veranstaltung war der Einfluss der steigenden Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen.

Kurz nach 9 Uhr startete der Fachtag mit Begrüßungsworten von Wiebke Matthesius, Geschäftsbereichsleiterin Fachdienste, und Anja Reiff, Fachbereichsleiterin der Sozialpädiatrischen Zentren. Sie berichteten über gute Erfahrungen mit Tablets zum Lernen in den Tagesförderstätten der Lebenshilfe und schlossen daran die Frage, ob technische Geräte auch in den Sozialpädiatrischen Zentren eingesetzt werden sollten.

Anja Reiff stellte anschließend das Tagesprogramm vor, das nach einem Vortrag von Dr. Michael Elpers in mehrere Workshops mit den Themen „Medienwelten Kinder und Familie – Chancen und Risiken der digitalen Medien für Kinder“, „Cybermobbing“, „Kommunikation mit Eltern“ und „Spiele“ überging. Sie bedankte sich zudem ausdrücklich bei der Lebenshilfe Bildung, Liane Neubert, Nadine Printky und Sybille Müller für die Organisation sowie dem Medienzentrum Pankow, das Infotische mit Materialien aufgebaut hatte.

Dann referierte Dr. Elpers über den Einfluss des Mediengebrauchs auf die neurobiologische und psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die steigende Nutzung von Smartphones ging mit der Einführung des ersten iPhones 2007 einher, da mit diesem Gerät nun die Möglichkeit bestand, zu jeder Zeit und an jedem Ort im Internet zu surfen. Laut Studien zur aktuellen Mediennutzung besitzen 99 Prozent aller deutschen Haushalte mit Kindern und Jugendlichen mindestens ein Smartphone.

Dr. Elpers referiert über den Einfluss einer zu hohen Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen.
Dr. Elpers referiert über den Einfluss einer zu hohen Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen.

Die Handynutzung ist mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden und nimmt immer mehr Raum im Alltag ein. Das Handy wurde 2017 von Jugendlichen noch durchschnittlich 274 Minuten am Tag genutzt – 2018 waren es schon 353 Minuten. Experten schätzen, dass global 5 bis 12 Prozent der Menschen internetsüchtig sind. Vielen Jugendlichen ist neben den sozialen Medien und Spielen vor allem die Erreichbarkeit wichtig. Junge Menschen, die Instagram nutzen, spüren sozialen Druck, da sie jeden Tag ein neues Foto veröffentlichen „müssen“, um ihren Followern neue Inhalte zu präsentieren. Auch die Angst etwas zu verpassen („Fear of Missing Out“), spielt gerade bei Mädchen und Frauen eine Rolle.

Viele Kinder und Jugendliche nutzen mehrere Medien gleichzeitig. Dieses Media Multitasking kann aber schnell zur Überforderung führen, da zu viele Informationen das Gehirn überlasten können. Ein moderates Level von Dopamin und Noradrenalin lässt uns organisiert, motiviert und ausgeglichen arbeiten und lernen. Ist das Level zu niedrig, fühlen wir uns müde, ist es zu hoch, zum Beispiel durch die Nutzung mehrerer Medien, fühlen wir uns gestresst. Dies führt zu einer Überlastung des Gehirns und vermindertem Lernen.

Exzessives Spielen ab drei Wochen kann dazu führen, dass Spieler*innen sich schwer damit tun, Entscheidungen zu treffen. Hohe Internetnutzung kann zudem zur Folge haben, dass es zu einer Abnahme von sozialer Akzeptanz, Selbstvertrauen und Motivation kommt. Des Weiteren zeigten Studien, dass mindestens eine Stunde vor dem zu Bett gehen auf eine intensive Mediennutzung verzichtet werden sollte, um erholsam zu schlafen und dann munter den neuen Tag zu beginnen.

Trotz dieser negativen Einflüsse einer zu hohen Mediennutzung können Smartphones, Tablets und Co. auch Chancen bieten. Dr. Elpers erzählte von einem autistischen und nicht sprechenden Patienten in seiner Praxis, der sich nur schwer verständigen konnte. Durch ein Smartphone war es ihm und seinem Vater möglich, Textnachrichten auszutauschen. Die gegenseitige Kommunikation erfuhr so eine ganz neue Qualität.

Teilnehmer*innen eines Workshops beim Fachtag der Sozialpädiatrischen Zentren
Teilnehmer*innen eines Workshops beim Fachtag der Sozialpädiatrischen Zentren

Tipps für eine moderate Nutzung vieler Medien sind computer- und onlinefreie Zeiten wie bei Mahlzeiten oder während des Schulalltags. Auch Eltern sollten sich an Zeiten halten, in denen alle Mitglieder der Familie Handy, Laptop oder Tablet weglegen und gemeinsam etwas unternehmen. Gleichermaßen ist eine gewisse Selbstkontrolle wichtig. Werden Schule, Freund*innen und Hobbys vernachlässigt, sollten Medien nicht mehr die erste Priorität haben. Bei Unterstützungsbedarf sind Gespräche mit Eltern, Freund*innen und Lehrer*innen hilfreich. Auch gibt es spezielle Angebote von Ärzt*innen und Psycholog*innen, die sich mit dem Thema auskennen und wissen, welche Stellschrauben verändert werden können.

In den anschließenden Workshops diskutierten die Teilnehmer*innen viel und lebhaft zu den Themen „Medienwelten Kinder und Familie – Chancen und Risiken der digitalen Medien für Kinder“, „Cybermobbing“, „Kommunikation mit Eltern“ und „Spiele“. Nach einer Mittagspause wechselten die Gruppen und nahmen an anderen Workshops teil.

Es war eine rundum gelungene Veranstaltung mit vielen interessanten Gesprächen. Die Lebenshilfe Berlin bedankt sich bei Herrn Dr. Elpers für seinen sehr facettenreichen Vortrag, den Referentinnen und Referenten für die Gestaltung der lebendigen Workshops, allen Teilnehmer*innen sowie der Lebenshilfe Bildung für die Organisation als auch bei der Berliner Stadtmission für die Bereitstellung der Räume und der Technik.

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