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Info-Veranstaltung des Blauen Kamels zur Berlin-Wahl

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Auf dem Podium im Kesselhaus sitzen die Moderatoren und Diskussionsteilnehmer

Am 8. September 2026 fand im Kesselhaus der Kulturbrauerei die Informationsveranstaltung des Berliner Aktionsbündnisses „Das Blaue Kamel“ zur Berlin-Wahl am 20. September statt. Vertreter der demokratischen Parteien stellten sich den Fragen von Menschen mit Behinderungen und diskutierten über zentrale inklusionspolitische Themen.

Auf dem Podium waren Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken, Nina Stahr, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD, und Dr. Claudia Wein für die CDU vertreten.

Sachfragen sind Machtfragen

„Was die neue Landesregierung beschließen wird, hat Auswirkungen auf das Leben von Menschen mit Behinderungen“, betonte Nadine Ehrentraut von der Lebenshilfe Berlin. Gemeinsam mit Philipp Steiner von der Cooperative Mensch eröffnete sie die Veranstaltung.
Der Berliner Landeswahlleiter Stefan Bröchler bezeichnete die Wahlen in seiner Begrüßungsrede als „Fest der Demokratie“. Mit Blick auf Desinformation in den sozialen Medien zeigte er sich zugleich besorgt: „Wir leben in risikoreichen Wahlkampfzeiten.“ Sachfragen, so Bröchler, seien Machtfragen.
Und um konkrete Sachfragen ging es anschließend auf dem Podium: Im Mittelpunkt standen der Zugang zum Arbeitsmarkt, Verwaltungsverfahren und Bürokratieabbau sowie bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum. Für das wichtige Thema inklusive Bildung blieb leider keine Zeit.

Nicht bei Inklusion und Teilhabe sparen

Bei allen Unterschieden waren sich die Kandidat:innen einig, dass Reformen nicht zu Lasten von benachteiligten Menschen gehen dürfen. Elif Eralp brachte es auf den Punkt: „Die Kürzungspolitik ist ein Riesenfehler.“ Das Geld werde an den falschen Stellen gespart, kritisierte Nina Stahr. „Wir können Geld sparen, ohne dass die Leistungen schlechter werden“, sagte Claudia Wein und ergänzte, das ginge nur gemeinsam mit den Trägern.
In der Diskussion wurde an vielen Stellen deutlich: In Berlin mangelt es weniger an Erkenntnissen als an der Umsetzung. Strukturen und Verfahren müssen sich verändern, Bürokratie abgebaut werden, damit Teilhabe im Alltag tatsächlich funktioniert.
Durch die Diskussion führte ein inklusives Moderationsduo: Die junge Influencerin Sabrina Lorenz ist chronisch krank, Referentin und Inklusionsaktivistin und betreibt einen eigenen Podcast. Der frühere rbb-Moderator Harald Pignatelli begleitet die Veranstaltungen des Blauen Kamels bereits seit vielen Jahren.

Viele Sorgen: zu langsam, zu wenig

Besonders eindrücklich waren die Wortmeldungen aus dem Publikum. Viele Menschen berichteten von langwierigen Antragsverfahren, bürokratischen Hürden und Leistungen, die immer wieder neu beantragt werden müssen.
Eine Teilnehmerin machte ihrem Unmut Luft: „Das ist alles nur die Spitze des Eisbergs. Wir kommen seit 30 Jahren hierher. Bei Ihnen sind unsere Probleme noch nicht angekommen.“
Auch Christian Specht, Selbstvertreter im Vorstand des Lebenshilfe Berlin e. V., fand deutliche Worte: „Nach dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt können wir hier nicht einfach zur Tagesordnung übergehen!“ Dafür erhielt er langanhaltenden Applaus.

„Ob du behindert wirst, hab ich gefragt?“

Das diesjährige Kampagnenmotto des Blauen Kamels provoziert – und polarisiert. Gerade dadurch sorgt es für Aufmerksamkeit und spricht insbesondere jüngere Menschen an. Die farbintensiven Plakate fallen im Berliner Stadtbild auf und erreichen Menschen auch außerhalb der eigenen inklusionspolitischen „Blase“.
Im Vorfeld der Veranstaltung hatte das Blaue Kamel allen zur Abgeordnetenhauswahl und zu den Wahlen in den Berliner Bezirken zugelassenen Parteien 14 Wahlprüfsteine geschickt. Darin geht es um zentrale Fragen zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.
Die Antworten der Parteien sind auf der Website des Blauen Kamels unter das-blaue-kamel.de/wahlpruefsteine-2026/ veröffentlicht.

Was bleibt von der Veranstaltung?

Im direkten Austausch erlebten die anwesenden Politiker, wie sehr bürokratische Hürden, fehlende Barrierefreiheit und schleppende Verfahren den Alltag von Menschen mit Behinderungen belasten.
Steffen Krach zog daraus den Schluss, nicht zur Tagesordnung übergehen zu dürfen. Elif Eralp fordert mehr Abgeordnete mit Behinderungserfahrung in der Politik. Und ein praktischer Tipp von Claudia Wein: „Kontaktieren Sie die Abgeordneten in Ihrem Wahlbezirk, damit sie aktiv werden können.“
Die Veranstaltung machte zugleich deutlich: Viele Probleme sind seit Jahren bekannt. Entscheidend wird deshalb sein, was nach der Wahl tatsächlich umgesetzt wird. Die Erwartungen an den neuen Senat sind groß.

Für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen geht es dabei nicht um abstrakte politische Debatten. Es geht um ganz konkrete Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben und gleichberechtigte Teilhabe in Berlin.

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