Zukunft

Projekt (Post-)Kolonialismus und Rassismus

24.03.2019

Im Rahmen des jährlichen Arbeitsausflugs der Gesamtschüler*innenvertretung der Bettina-von-Arnim Oberschule in Berlin Reinickendorf haben wir uns im Rahmen eines Workshops mit den oben genannten Themen auseinander gesetzt.

Zunächst wurde allen Teilnehmer*innen die 17 Ziele der Agenda 2030 vorgestellt und diskutiert. Zu unserem Thema bestand dabei ein direkter Zusammenhang mit dem Ziel  direkt das SDG 10 " Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern ". 

Deshalb haben wir gemeinsam das "Weltverteilungsspiel" durchgeführt. Dazu wurde zunächst die Gruppe nach Bevölkerungsanteilen nach Kontinenten aufgeteilt und im Raum verteilt. Anschließend erhielten die Gruppen nach Kontinenten im Verhältnis zum jeweiligen Einkommen Schokoladenstücke. Dabei stellte sich heraus, dass die Verteilung doch sehr ungleich ist. So erhielt jeder Europäer 2 Stück Schokolade während sich 5 Afrikaner ein Stück teilen mussten! Dabei sind in dem Spiel große bestehende Ungleichheiten innerhalb der Gesellschaften noch gar nicht berücksichtigt! Nun startete der Workshop mit 15 Vertreter*innen. Am Anfang haben wir uns über unsere bestehenden Kenntnisse zu den Themen Sklaverei und Kolonialismus ausgetauscht. Zwar haben wir einiges dazu in der Schule gelernt, doch haben wir im Anschluss viele neue Dinge erfahren. So war der große Kurfürst und Herrscher von Brandenburg bereits im 17.Jahrhundert heftig in den Sklavenhandel involviert. Im heutigen Ghana existiert noch immer die nach ihm benannte Festung Groß Friedrichsburg von der damals die Sklaven in die neue Welt verschifft wurden. 

Dann haben wir uns mit dem Zeitalter des Imperialismus und Kolonialismus beschäftigt, und ein krasses Zitat von Immanuel Kant, er gilt ja gemeinhin einer der Väter der Aufklärung, gelesen und diskutiert, welches die moralische Rechtfertigung der Kolonisierung Afrikas unterstützte. 

Nun haben wir in Gruppen verschiedene Quellen recherchiert, analysiert und gemeinsam im Plenum diskutiert. Zum einen über die im Jahr 1884/85 in Berlin stattgefundene  "Kongo Konferenz" (Im Englischen auch Berlin Conference genannt). 

Auf dieser Konferenz haben sich auf Einladung des damaligen Reichskanzlers Bismarck die europäischen Großmächte auf eine Aufteilung Afrikas in Kolonien geeinigt. Dabei wurden willkürlich Grenzen gezogen und keiner der Menschen dort wurde gefragt. 

Nachdem in den 1960er Jahren die Kolonien Unabhängigkeit erlangten, blieben diese Grenzen größenteils unverändert, obwohl sie in keiner Weise die Grenzen der dort lebenden Völker und Stämme berücksichtigten.

Beim Skype-Austausch mit Ayo Ladeji aus Lagos in Nigeria
Beim Skype-Austausch mit Ayo Ladeji aus Lagos in Nigeria

So haben wir eine Menge Hintergründe erfahren und haben wir uns per Skype mit 2 jungen Partnern in Lagos, Nigeria, ausgetauscht. Diese waren Odujun Taiwo Jacob, ein Tanz- und Multimedia-Künstler und Ayo Ladeji, Politologe. 

Nachdem wir uns gegenseitig vorgestellt hatten, haben wir sie gefragt warum Postkolonialismus für sie persönlich ein wichtiges Thema ist? Taiwo erklärte, dass er sich in seiner Kunst damit auseinandersetzt. Die wichtigsten Punkte waren in Kürze:

In Nigeria und den meisten anderen Ländern südlich der Sahara lernen Kinder in der Schule immer noch in der Sprache ihrer ehemaligen Kolonialherren, dort also Englisch. Lokale Sprachen und Kultur kommen wenn nur am Rande vor. Er weiß selbst sehr wenig über seine ursprüngliche Kultur und Identität. Die Grenzen haben keinen Bezug zu den dort lebenden Völkern, im Geggenteil haben sie diese oft in verschiedene Staaten unterteilt. Auch sind die Klassen überfüllt und es gibt wenige Lehrmaterialien, wodurch es schwierig ist gute Bildung zu erhalten.

Wirtschaftlich exportiert Nigeria billig seine Rohstoffe, vor allem Öl, und importiert teure Fertigwaren aus dem Norden. Dadurch gibt es wenig gutbezahlte Jobs für junge Menschen und viele möchten nach Europa oder andere reiche Länder auswandern. Das Problem kennen wir in Deutschland durch die vielen Flüchlinge aber wir hatten uns bislang nie gefragt, warum die Menschen kommen wollen.

Zuletzt haben wir uns gefragt, warum diese Probleme fortbestehen. Dabei haben wir diskutiert, dass einerseits in Nigeria ein hohes Korruptionsproblem in Regierung und Verwaltung existiert und anderseits die Entwicklungszusammenarbeit über Jahrzehnte so wenig positive Veränderung bewirkt hat. Heraus kam, dass anscheinend teilweise beide Seiten von der gegenwärtigen Situation profitieren und zu wenig Interesse an einer Änderung der Situation haben.




Stellungnahme zu Rassismus