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Die Lebenshilfe beim Berlin Marathon – ein Ereignis, das verbindet

Freiwillige Helfer*innen bei ihrem Einsatz für die Lebenshilfe Berlin beim Marathon in der Haupstadt.
Freiwillige Helfer*innen bei ihrem Einsatz für die Lebenshilfe Berlin beim Marathon in der Haupstadt.

Das Freiwilligenmanagement der Lebenshilfe Berlin war am vergangenen Sonntag mit vielen fleißigen Helfer*innen beim Berlin Marathon im Einsatz. Auch Kornelia Goldbach war dabei und schildert in diesem Beitrag ihre Erfahrungen und Eindrücke.

Es ist noch nicht hell geworden, 6:15 Uhr vor dem Kanzleramt – hinter den Absperrungen laufen die letzten Vorbereitungen für den Berlin Marathon heute, am 29.September 2019. Alles ist bereit! Ich schaue mich im morgendlichen Dunkel suchend um. Dann hole ich meine blaue Regenjacke heraus – die mit dem blau-weißen Lebenshilfe-Kringel, der uns allen bekannt ist. Für die meisten Helfer*innen des Freiwilligenmanagements der Lebenshilfe Berlin, die ich hier erwarte, bin ich neu und unbekannt und denke mir, dass man mich so wohl am ehesten erkennen kann.

Kaum übergezogen, rufen mir auch schon zwei lachende junge Herren, mit zwei eingepackten Klappstühlen entgegen: „Ach bist du die Neue? Wir haben dich gerade gesehen! Wir sind Rene und Sven!“
„Ja die bin ich, Kornelia Goldbach, die meisten nennen mich Konny. Ich arbeite jetzt mit Tanja Weisslein zusammen und vertrete Sie heute beim freiwilligen Einsatz beim Berlin Marathon.“
„Ja wir sind hier jedes Jahr dabei, wir kennen das alles und haben uns zwei Klappstühle mitgebracht, weil wir nicht wieder so viele Stunden nur stehen wollen.“

Munter und motiviert stehen die beiden vor mir und erzählen mir von ihren Einsätzen in den vergangenen Jahren. Sie freuen sich auf den vor uns liegenden Tag. Bald kommen auch die anderen ehrenamtlichen Unterstützer*innen an. Im morgendlichen Sonnenaufgang ziehen wir die orangen Jacken für die Helfer*innen an und ziehen zu unserem Einsatzort: der Kleiderbox Nr. IX. Wir sind insgesamt zwölf Freiwillige und die meisten kennen sich gut aus. Für mich ist alles neu und ich versuche mich in das routinierte Vorbereitungstreiben einzubringen.

Schnell erfahre ich freundliche Unterstützung von Rene und Sven, die mir genau erklären, wo ich Haken in den Gittern platzieren soll. Dort, wo später die Kleiderbeutel der Läufer*innen angehängt werden. Mit ihrem Erfahrungsschatz der vergangenen Jahre erklären mir die beiden, was mich erwarten wird und wie ich am besten vorgehen sollte. Wir drei werden verantwortlich sein für das Aufbewahren und Platzieren von etwa 300 Kleiderbeuteln der aktiven Sportler*innen.

Schon kommen die ersten Läufer*innen, die ihre Beutel bringen. Ein kleiner Scherz meiner beiden Mitstreiter erleichtert den Teilnehmer*innen des Laufes die ihnen anzusehende Aufregung vor dem großen Start und es wird gemeinsam gelacht. Ich staune, wie souverän und fröhlich sich die Freiwilligen einbringen. Schon bald kommen zahlreiche Läufer*innen mit noch zahlreicheren Fragen die in unterschiedlichen Sprachen formuliert werden. Wir verständigen uns teils auf deutsch, teils auf englisch, mit den Händen oder einfach nur mit einem wohlwollenden Lachen im Gesicht. Eine tolle Stimmung! Hier in unserer Kleiderbox begegnen sich Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, aufgeregt und weniger aufgeregt vor dem großen Start; geben einander Auskunft oder sprechen sich ermunternde Worte zu!

Während einer längeren Pause werden wir mit belegten Brötchen versorgt und können den Marathonlauf auf einer Leinwand verfolgen. Dann kommen auch schon die ersten Läufer*innen zurück, um ihre persönlichen Sachen wieder abzuholen. Wir sehen uns Menschen gegenüber, die gerade von einem über 40 Km langen Marathonlauf zurückgekehrt sind, glücklich, erschöpft oder freudig erregt; schnell ergeben sich wieder bunte Gespräche zwischen uns allen. Unsere Zusammenarbeit läuft klasse – wie ein erfahrenes Team funktionieren wir! Die Startnummern der Läufer*innen sind gleichzeitig die Garderobennummern. Da kann es schon mal zu Verwechslungen kommen. Dann helfen wir uns gegenseitig und lachen dabei. Denn wer hat es schon oft im Leben mit Zahlen wie 33 461 oder 33 589 zu tun und das auch noch in unterschiedlichen Sprachen? Gut, dass die Läufer*innen ihre Startnummer auf dem Shirt tragen.

Ich erlebte einen beeindruckenden Tag. Menschen begegneten sich zu einem großen Ereignis, zu dessen Gelingen jeder in seiner Rolle einen Anteil beigetragen hat: Die 40 000 Sportler*innnen – natürlich die Held*innen des Tages! Aber auch eben all die vielen Freiwilligen , ohne die ein solches großes Sportevent nicht so koordiniert ablaufen könnte.

Menschen mit Beeinträchtigung, die es häufig gewohnt sind in unserem gesellschaftlichen Helfersystem zu den „Versorgten“ zu zählen, wurden auf ganz selbstverständliche Weise zu „Versorgern“, zu „Unterstützern“. Das durfte ich selber deutlich erfahren an diesem Tag. Denn ohne die Unterstützung von Rene und Sven und all den anderen hilfsbereiten und freundlichen Helfer*innen wäre ich ganz schön „aufgeschmissen“ gewesen. Besonders dankbar bin ich für die pfiffige Idee, sich zwei Klappstühle mitzubringen. Auf denen durfte ich nämlich auch mal Pause machen!

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